Ein heimliches „Ja“ in mir?
Wo spüre ich ein heimliches „Ja“ in mir?
Heute ist der dritte Advent. Die Zeit rinnt schneller, als wir dachten.
Die Lichter werden mehr, die Tage weniger. Weihnachten und all das, was du damit verbindest, ist nicht mehr fern.
Sag, wie bist du heute eigentlich hier angekommen, an diesem Adventssonntag?
Zwischen Terminen, Erwartungen, Müdigkeit, Hoffnung, zwischen Dingen, die dich fordern, und Momenten, die dich tragen, dich stärken. Sag, wie geht es dir wirklich? Nicht der Version von dir, die funktioniert, sondern DIR. Mit deiner Sehnsucht und deinen Fragen, vielleicht auch mit einem kleinen Funken Mut. Advent ist nicht nur eine Zeit des „Noch-nicht“, sondern auch eine Zeit des „Wie bin ich unterwegs?“. Wenn du magst, schließe deine Augen, atme ein…atme aus…und schau, wo du gerade bist auf deinem Weg nach Bethlehem.
Maria und das tastende Ja
Weihnachten wäre nicht ohne Maria möglich, das ist klar. Ohne die Frau, die mit einer Zumutung konfrontiert wird, der sie wohl kaum aus dem Weg gehen kann, oder? Ich meine, wenn ein Engel erscheint und sagt: Gott hat dich erwählt, seinen Sohn zu gebären, wie stehen da die Chancen, noch mitreden zu können? Ich finde, da muss auch nichts romantisiert werden. Im Gegenteil. Und ich bin froh, dass die Bibel das nicht ganz verschweigt. Maria erschreckt. Sie ruft nicht sofort freudig oder geehrt „Jaaaaaa“ aus. Nein. Sie ringt. Sie fragt nach und prüft: Kann ich das überhaupt? Will ich das? Ist das mein Weg? Maria braucht Worte, Zeit, Atem. Und erst dann, bewusst, nicht blind, sagt sie: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Das ist eine Entscheidung! Ein sich darauf Einlassen auf das, was wohl unumgänglich ist, wenn Gott mit einer Aufgabe erscheint. Und doch, sie hat für sich Ja gesagt und dieses Ja mag es um einiges einfacher gemacht haben, so hoffe ich für sie. Später, als Maria versucht, ihr eigenes Leben unter Gottes Licht zu betrachten, sprach sie das Magnificat. Es ist kein Gebet im klassischen Sinn. Kein Gedicht.
Eher ein hoffnungsvolles Nachdenken und ein Versuch, ihre Entscheidung einzuordnen, ihr Ja mit der Welt zu verbinden.
Sie spricht von Gerechtigkeit, vom Aufrichten der Erniedrigten, vom Gott des Anfangs. Es ist ihr eigenes inneres Versprechen: Wenn ich diesen Weg gehe, dann vertraue ich darauf, dass Gott aus meinem kleinen Ja etwas Größeres webt.
Ich habe durch Maria etwas lernen dürfen. Dass nämlich ein Ja nicht entsteht, weil alles klar ist, sondern weil etwas in uns tiefer ist als die Angst. Gott macht meine Seele groß.
In Jubel geraten ist mein Geist.
Über Gott, meinen Retter.
Deine Dienerin hast du erkannt,
obwohl sie doch unbedeutend ist.
Alle meine Nachkommen werden mich von nun an preisen.
Denn du, mein Gott, hast Großes an mir getan.
Mächtig ist dein Name.
Oh, wie mächtig bist du.
Bei denen, die dich lieben,
währt deine Barmherzigkeit auf ewig.
Dein Arm schlägt einen Weg der Gerechtigkeit.
Du zerstreust die im Herzen Überheblichen.
Mächtige stößt du vom Thron.
Die, die niedrig sind, erhöhst du.
Hungrige machst du satt.
Reiche gehen leer aus.
Du hast dich deines Kindes angenommen,
wie du es versprochen hast bei Sara, Hagar, Abraham
und ihren Kindern. Jetzt und allezeit. (nach Lk 1,46-55)
zitiert aus An/Dich 
Dein heimliches Ja im Advent
Vielleicht spürst du in diesem Advent selbst ein stilles, leises, kaum wahrnehmbares Ja. Vielleicht musst du danach richtig auf die Suche gehen, aber du ahnst, es ist irgendwo in dir. Das wie ein sanftes Licht ist, das du erst siehst, wenn du ihm nahe kommst. Sag, wie sieht dein Ja aus? Ist es ein Ja zu etwas Neuem Ja zu einer Veränderung, die schon lange wartet Ja zu weniger Schwere oder zu mehr Wahrheit Ja zu einem Menschen Oder, vielleicht das schwerste, ein Ja zu dir selbst Oder etwas ganz anderes?
Ich mag es ja kaum sagen im hektischen Alltag des Advents und glaub mir, ich sage es mir genauso wie dir. Aber es darf wirklich eine Zeit sein, in der Gott ganz leise spürbar ist und du vielleicht merkst, Gott wirkt in dir. Wenn du deine Augen schließt und deinen Atem spürst. Wenn du in dir suchst und dein Ja findest. Wenn du merkst: Hier wacht etwas auf. Hier könnte mein Weg sein.
Du musst dieses Ja nicht sofort aussprechen. Ich weiß, das kann Angst machen und auch überfordern. Gerade jetzt, wo viel los ist und dann so kurz vor den Weihnachtsfeiertagen. Aber Mut möchte ich dir machen. Manchmal beginnt Hoffnung nämlich damit, dass wir sie überhaupt erst bemerken. Dass wir im eigenen Inneren ein stilles Nicken wahrnehmen. Vielleicht fragst du dich heute: Was sagt in mir gerade leise Ja, obwohl ich noch zögere? Wo ruft mich ein Gedanke, ein Wunsch, ein Mut, den ich bisher nicht ernstgenommen habe? Nun ist er beinahe um, der Advent. Die Zeit der leisen Entscheidungen.
Der zarten inneren Bewegungen. Der Zusage, dass Gott mit dem Kleinen beginnt. Das dürfen wir glauben! Und im Glauben auch als unsere innere Haltung annehmen und einüben. Ich wünsch dir, nicht nur heute oder auf dem Weg zum Stall, nein, ich wünsch dir immer wieder aufs Neue, dass ... ... Dein heimliches Ja wachsen darf. ... Es warm wird und dich führt. ... Und dieses erst leise und kleine Ja behütet wird von Gott.
Das wünsch ich dir von Herzen, Deine Phine