Hoffnung ist nicht das Gegenteil von Angst.
„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat – egal, wie es ausgeht.“ - Václav Havel Ich stell mir unsere Welt wie ein überfordertes Herz vor. Eines, das zu viele Verletzungen erlebt, das Wunden trägt, das schmerzt. Ein Herz, das mit all dem trotzdem weiter schlägt und Leben schenkt. Die Nachrichten sind kaum noch zu ertragen. Wir Menschen scheinen uns in Angst und Wut zu verlieren. Und auch in Gleichgültigkeit. Ich weiß nicht, was ich schlimmer finde. Und mittendrin, da sind wir. Da bist du. Mit deinem Bedürfnis, zu glauben, dass das Gute stärker ist. Aber manchmal, da ist es schwer. An manchen Tagen fast unmöglich.
Hoffnung ist ja leider kein Schalter, den wir einfach umlegen und dann sind wir davon erfüllt. Schön wär´s. Wie viel leichter wäre das Leben dann, oder?
Ich glaube, Hoffnung ist eher wie ein zarter Faden, den wir immer wieder aufnehmen müssen.
Manchmal reißt er. Manchmal verlieren wir ihn aus den Fingern.
Und dann braucht es Zeit, Vertrauen, vielleicht auch andere Hände, die ihn wieder knüpfen. Ich glaube, zu hoffen ist Übung. Ich glaube auch, zu hoffen ist eine Entscheidung, die wir immer und immer wieder bewusst treffen müssen.
Vor kurzem war ich bei einer alten Dame, deren Mann gestorben war. Ich saß in ihrem gepflegten, gemütlichen Wohnzimmer. Es gab nicht viel Schnickschnack. Viele Bilder der Kinder, Enkel- und Urenkel. Und Pflanzen auf den Fensterbrettern, auf dem Fußboden, auf Regalen. Ich bewunderte die Pracht (bei mir gehen sogar Kakteen ein) und ließ mir von ihr erklären, was ich dort alles sah. Von Orchideen bis hin zu einem kleinen Bonsai hatte sie gefühlt jede Zimmerpflanze. Und dann, sie schenkte mir gerade Kaffee ein, da sagte sie: „Ich schaue jeden Tag die Nachrichten. Und dann gieße ich meine Blumen. Damit nicht das Dunkel das Letzte Wort hat.“
Die Dame hatte etwas verstanden und es mit mir geteilt. Hoffnung heißt nicht, die Augen zu verschließen, sondern sie Offenzuhalten. Und dann etwas Kleines tun. Eine Nachricht schreiben. Jemandem zuhören. Eine Kerze anzünden. Einen Samen setzen.
Denn genau da beginnt Hoffnung, oder? Nicht als großes Gefühl, sondern als leise Entscheidung.
Ich tue, was ich kann, um das Leben nicht aufzugeben. Jeden Tag! Hoffnung bedeutet nicht, alles Schönzureden.
Sie heißt trotzdem glauben, dass etwas möglich bleibt.
Trotz Schmerz. Trotz Ohnmacht.
Sie ist die Weigerung, das Dunkel für die ganze Wahrheit zu halten. Oh und wie leicht ist, sich ins Dunkel fallen zu lassen. Nur dann dort zu sein, das ist alles andere als leicht. Und aus dem Dunkel herauszukommen so schwer, dass ich mich frage, ob sich das hineinfallen lassen überhaupt lohnt? Ich denke, nicht.
Manchmal spüre ich Hoffnung, wenn ich sehe, wie jemand bei einem Sterbenden sitzt.
Oder wenn Kinder auf einem Platz lachen, den gestern noch Angst gefüllt hat.
Oder wenn jemand, obwohl alles schwer ist, den Mut findet, zu sagen: „Ich möchte leben! Mit Sinn und Liebe.“
Ich habe sogar Hoffnung in die Menschen, wenn es schon grün an der Ampel ist, ich noch nicht gleich losgefahren bin und trotzdem nicht angehupt werde.
Das sind kleine Auferstehungen mitten im Alltag.
Sie geschehen leise. Und sie verändern die Welt. Auch wenn wir sie nicht sehen. Auch wenn wir erstmal selbst gar nicht spüren, dass sie uns verändern. Manchmal sehen wir nämlich erst im Rückblick, dass unsere Hoffnung uns getragen hat. Meine Erfahrung ist auch, erst wenn wir die Hoffnung einmal verloren haben und wiederfinden dürften, erkennen wir ihre Kraft. Ich weiß doch selbst, wie schwer es ist, immer wieder zu hoffen. Enttäuscht zu werden. Zu sehen, dass sich die Welt nicht zu einem besseren Ort entwickelt. Und dennoch weiter zu hoffen. Ich weiß auch, wie erschöpft wir sind. Jede:r für sich. Wir alle zusammen. Und dass sich kaum etwas ändern lässt, weil die Systeme, in denen wir leben gefühlt immer enger werden. Aber kleine Hoffnungsschimmer zu suchen, vielleicht sogar bewusst zu erschaffen, hilft in all dem!
Vielleicht ist Hoffnung genau das: eine Art inneres Aufstehen. Nicht, weil wir stark sind, sondern weil wir uns gehalten wissen. Auch wenn wir es gerade nicht spüren.
Weil wir ahnen: Da ist Gott, die die Welt nicht sich selbst überlässt. Eine, die mit uns fühlt, leidet, uns aufrichtet.
Hoffnung ist nicht das Gegenteil von Angst. Sie ist ihr Gegenüber.
Sie sagt, „Ich sehe dich, Angst. Aber du hast nicht das letzte Wort.“
Vielleicht ist das das Geheimnis.
Wir müssen Hoffnung nicht machen.
Wir dürfen sie empfangen, aus Begegnungen, aus Schönheit, aus dem Glauben, dass Gott noch mitten in dieser Welt wirkt. Aber ein bisschen was müssen wir auch tun. Die Augen dafür offen halten. Unsere Herzen sowieso. Sonst nutzt alles geschenkte nichts. Ich kenne Dunkelheit sehr gut. Ich kenne Angst und das Nichtweiterwissen. In mir hat schon oft die Frage nach dem „Warum überhaupt noch?“ gewohnt.
Ich kann nicht sagen, was du brauchst, um mit Hoffnung durch dein Leben zu gehen. Das weißt allein nur du. Und nur du kannst dich auf die Suche nach der Antwort machen, was du brauchst. Ich kann dir aber sagen, was mich getragen hat, durch alle tiefen Zeiten hindurch. Es war mein Gebet. Und war es auch nur ein tiefer Seufzer. Egal wo ich war. Dass Gott mein Gegenüber war, selbst ich nur Wut auf Gott hatte. Tief enttäuscht war und mich fragte, wieso Gott tiefstes Leid zulässt. Ja, Rückblickend kann ich sagen, das Versprechen Gottes, immer bei mir zu sein hat mich jedesmal gerettet aus meiner Dunkelheit. Es hat mir Hoffnung geschenkt, dass es besser wird. Weil ich darauf vertraue, dass Gott ihre Versprechen hält! Mich nicht allein zu lassen. Mich zu tragen. Mich zu halten, auch wenn ich loslassen will. Vielleicht wird es auch dir helfen, wenn du auf deinen Glauben vertraust. Auf Gottes Versprechen, während du nach deiner Hoffnung schaust.
Oder vielleicht hilft dir auch einfach dieser Satz: „Ich glaube, dass das Gute nicht aufhört.“