Hoffnungsworte
Nun ist das Jahr schon ein paar Wochen alt und ich komme erst jetzt dazu, dir zu schreiben. Wenn ich ehrlich bin (und ich versuche immer ehrlich zu sein), waren keine Worte in mir, die ich dir mitgeben wollte. Und nun, kurz bevor eine lange Sitzung beginnt, die bis in die späten Abendstunden dauern wird und neben mir „Hallo“ gerufen, umarmt und Hände geschüttelt werden, da kommen mir diese Worte. Ich möchte sie dir unbedingt aufschreiben.
Denn es sind Hoffnungsworte!
Auf Hoffnungsworte in mir habe ich gewartet. Ich spürte schon leise und vorsichtig ihren Samen in mir wachsen, aber es gab noch nichts zum Anfassen. Und so wartete ich und wartete darauf, dass das Leuchten, nach dem ich mich in mir selbst und für diese Welt sehne, in irgendeiner Art und Weise greifbar wird. Nun ist es also so weit.
Der Kampf um das eigene Ich
Vielleicht weißt du, dass ich vor zwei Jahren gegen meine Depression gekämpft habe. Als sie überstanden war, dachte ich: „Nun habe ich eine Erfahrung mehr, bin daran gewachsen und kann gestärkt ich sein.“ Dem war nicht so. Ich brauchte ein weiteres Jahr, um mich zu stabilisieren, und war ganz weit davon entfernt, überhaupt zu wissen, wer ich eigentlich bin. Phine als Mutter – das war klar. Phine als Partnerin – auch das. Auch Phine, die Pastorin, war relativ sicher. Aber ich als Frau, als nur ich, da hatte ich keine Idee. Da hatte ich nichts zum Greifen. Mein Körper hatte sich verändert. Mein Glitzern hatte ich verloren. Meine Leichtigkeit und meinen Mut auch. Ich war immer wieder versucht, mich dem hinzugeben und zu resignieren. Es macht vielleicht nicht so viel Freude, aber es wäre bequem gewesen. Nur vermisste ich mich auch, deshalb gab ich nicht auf. Dazu kam natürlich, wie wohl bei uns allen, die Weltlage: Die Angst um unsere Demokratie, die Sorge um einen möglichen zukünftigen Krieg. Und all die Bilder von Gewalt und Hass. Kaum auszuhalten. Das klingt nun wieder so negativ bzw. schwer, aber ich möchte auf etwas hinaus.
Ein Anker in schweren Zeiten
Mich hat ein Bibelwort gefunden. Es lag plötzlich vor mir, ohne dass ich danach gesucht hatte. Dieses Bibelwort möchte ich mit dir teilen. Ich habe mich nämlich daran gehangen wie an einen roten Faden, und es half mir auf der Suche nach der Hoffnung, die nicht nur ein Samen bleibt, sondern irgendwann auch wieder wächst und lebendig wird. Vielleicht ist es auch etwas für dich. Trübsal bringt Geduld; Geduld aber bringt Erfahrung; Erfahrung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden.
Die Kette der Hoffnung
Ein ganz ehrlicher Satz, der nichts beschönigt, ist das. Einer, den die meisten von uns wahrscheinlich mit unseren Lebenserfahrungen nachvollziehen können.
Trübsal ist Trübsal. Schwer bleibt schwer. Sagt er. Und das darf auch so angenommen werden! Sagt er. Dieses „Ach komm, so schlimm ist es nicht“, vertrösten oder wegreden wollen von dem, was gelebte Realität ist, mag ich nicht. Es hilft mir, dass da geschrieben steht: Was dich fordert, das muss dich nicht zerstören! Ich finde auch, es muss auch für überhaupt nichts gut sein oder einen Sinn haben. Aber wenn wir da durchgekrochen oder durchgegangen sind, dann merken wir ja meist, dass wir wieder etwas gelernt haben und gewachsen sind, ohne es zu merken.
Nun bin ich nicht für meine Geduld bekannt, aber meist bleibt ja nichts anderes übrig, als sich in Geduld zu üben. (Ich rolle mit den Augen). Aus Geduld wird Erfahrung, gebe ich zu. Den Dingen Zeit zu lassen und zu beobachten, das hilft. Auch wenn es wehtut. Und aus diesen Erfahrungen, glaube ich, wird Hoffnung. Noch nicht die, die ganz überschwänglich ist, aber eine, die mir zeigt: Alles geht weiter. Vieles geht auch vorbei. Die Welt ist nicht untergegangen. Auch nicht eine kleine persönliche Welt. Und vor allem: Es gibt immer etwas, für das es sich lohnt dranzubleiben.
Diese Hoffnung ist nicht naiv, denn sie kennt Enttäuschungen. Aber sie weiß auch, dass das Leben mehr ist als nur dieser eine Moment, dieser eine Monat, diese eine schreckliche Situation.
Für mich sagt der Vers auch, dass ich nicht alles im Griff haben muss. Nicht sofort stark sein. Es reicht – und das ist manchmal schon schwer genug –, wenn ich da bleibe. Einen Schritt nach dem anderen mache. Natürlich weiß ich das, aber ich lebe nicht immer danach. Gut, dass ich mich immer wieder daran erinnern lassen kann.
Mut zur Hoffnung
Ich muss zwar immer wieder dagegen ankämpfen, den Kopf in den Sand zu stecken. Aber ich darf Hoffnung haben. Du darfst Hoffnung haben, egal wo du sie gerade brauchst!
Ich hoffe, ich habe meine Worte so gewählt, dass du sie positiv und stärkend lesen kannst. Das war meine Intention. Denn ich möchte in diesem Jahr positiv gehen. Es wird kein leichtes Jahr, wenn ich mir die Nachrichten anschaue. Und was in meinem Leben auf mich wartet, das weiß ich nicht. Aber die Hoffnung soll doch in mir wachsen dürfen. Und das wünsche ich dir auch so von Herzen! Dass wir uns nicht deprimiert machen lassen, sondern in uns ein Licht haben, das allem trotzen kann.
Das sind meine Hoffnungsworte, die dir vielleicht gegeben haben, wonach du gesucht hast oder wonach du dich sehntest. Vielleicht waren sie dir eine Inspiration, oder du hast dir gedacht: „Ach, das weiß ich doch eh.“ So oder so. Was ich dir noch mitgeben möchte: Hoffnung zu haben ist nicht naiv! Im Gegenteil: Hoffnung zu haben ist mutig! Immer wieder neu Hoffnung zu suchen, ist mutig und zeugt von innerer Stärke. Wie leicht wäre es, sich der Negativität hinzugeben und auch dem Hass. Wie leicht wäre ein gefühltes „gegen den Strom schwimmen“.
Aber das tun wir nicht. Also, immer Richtung Licht!
