Wieso gibt es diesen Newsletter?
In den letzten Monaten habe ich immer wieder darüber nachgedacht, was ich da auf Instagram eigentlich treibe. Welchen Mehrwert es für diejenigen hat, die sich jeden Tag die kleinen Schnipsel aus meinem Leben anschauen. Ich habe mich viel hinterfragt, denn irgendwie fühlte es sich nach zu wenig an. Nicht zu wenig an Content, sondern an Stellungnahmen und Positionierungen.
In unserer Gesellschaft ist der Ton sehr rau geworden. Zwischen „Mein Richtig“ und „Dein Falsch“ gibt es kaum noch Zwischentöne – das weißt du ja selbst. Dem konnte und wollte ich mich nicht aussetzen, auch wenn ich Meinungen habe und eine politisch denkende Frau bin. Bei all den Krisen, Kriegen und Ungewissheiten komme ich selbst ja kaum hinterher. Manchmal habe ich auch nicht das nötige Hintergrundwissen, um mich verantwortungsvoll äußern zu können. Und damit wuchs die Frage in mir: Was kann ich tun? Was kann ich geben, damit Menschen sich in dieser Zeit gestärkt fühlen und gut durch ihren Alltag kommen mit allem, was auf ihren Schultern und Herzen lastet, abseits von persönlichen Statements zu tagespolitischen Themen?
Seelsorgerin durch und durch
Als ich am Ende des Vikariats, der praktischen Ausbildung zur Pastorin, an einer Übung teilnahm, in der wir unser Selbstverständnis in diesem Beruf suchen sollten, war für mich schnell deutlich: Ich bin Seelsorgerin durch und durch. Ich möchte an einer Kirche mitbauen, in der sich Menschen gesehen, gehört, angenommen und willkommen fühlen – so wie sie sind. Ich möchte zeigen, dass niemand von uns allein ist mit den Herausforderungen des Lebens und wir alle „strugglen“. Gerade weil es in unserer Gesellschaft schnell als Schwäche abgetan wird, wenn jemand sich verletzlich zeigt oder öffnet.
Seit meinem Vikariat hat sich die Welt verändert. Sie ist radikaler geworden, finde ich. Sie ist bedrohter, nicht nur durch die Klimakrise. Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat einen möglichen Krieg in Deutschland plötzlich in unser Leben geworfen und damit eine Art der Existenzangst, die die meisten von uns wahrscheinlich bis dahin nicht kannten. Dazu all die Sorgen um unsere Demokratie und, nicht zu vergessen, unser eigenes Leben, das sich ganz schön groß anfühlen kann. Wie soll ein Mensch all das tragen können? Wie noch mit Hoffnung durch das Leben gehen? Wie kann man es schaffen, die Sorgen, Ängste und Dunkelheit nicht die Oberhand gewinnen zu lassen?
Meine Rolle als Pastorin
Nun bin ich schon ein paar Jahre lang Pastorin. In einer Kirche, die sich radikal verändern muss. In einer Kirche, die Abschied nimmt von dem, wie sie war und wozu sie in der Lage war. Da ist viel Trauer gerade, wir tragen etwas zu Grabe, was wir in unseren Gemeinden sehr lieb haben. Auch in unserer Gemeinde ist das so.
Ich war noch nie die Art Pastorin, die sich auf die Kanzel stellt und allgemeingültige Antworten in die Gemeinde ruft. Ich hoffe, wenn ich mein „Amen“ gesagt und mich gesetzt habe, sind in den Menschen, zu denen ich sprechen durfte, Fragen aufgeploppt, zu denen sie ihre eigenen, persönlichen Antworten finden. Wer in die Kirche kommt, sucht Antworten auf die existenziellen Fragen des Lebens. Nicht allgemein, sondern ganz persönlich. Wie könnte ich da sagen, was richtig oder falsch sei?
Ich sehe mich als eine, die dafür das Handwerk bereitlegt. So bin ich hier vor Ort Pastorin, bei den Kitakindern bis in den 10-Uhr-Gottesdienst hinein. Ich gebe mein Wissen weiter, stelle meine Gedanken zur Verfügung und meine Erfahrung. Und daraus wird dann hoffentlich etwas Gutes für die Menschen, die ich begleite.
Was du von mir erwarten kannst
So soll es auch für dich sein, wenn du meine Worte liest. Du wirst meine Gedanken zu Fragen des Lebens bekommen – zu kleinen Fragen und den großen Fragen. Zu Fragen, die du dir jeden Tag stellst oder auf die du noch gar nicht gekommen bist. Wer weiß. Und dann nimmst du dir, was du brauchst. Wirst innerlich stärker, vielleicht richtest du dich innerlich sogar auf. Nicht wegen meiner Worte, sondern wegen deiner Antworten. Deinen alltäglichen und denen deines Glaubens.
Das ist es, von dem ich denke, es sei jetzt dran! Dass wir Seelsorger:innen Menschen das Handwerk bereitlegen, gestärkt durch ihr Leben und alle Umstände zu gehen. Ich wünsche mir, dass wir uns alle bewusst werden, dass unser Glaube uns tragen und stark machen kann! Dass wir nicht nur glauben, was wir in der Bibel lesen oder was uns zugesagt wird, sondern es so verinnerlicht haben, dass wir resilient gegenüber dem sind, was auf uns zukommt.
Zum Schluss
Jetzt habe ich dir viel erzählt. Aber ich fand es wichtig, damit du weißt, was du bekommen wirst, wenn du meinen Newsletter lesen wirst. Das werden „typische“ Phine-Texte sein, wie du sie vielleicht schon von unseren Andachten auf Instagram kennst. Texte, die dich stärken. Texte, die deinen Glauben stärken. Texte, mit denen Vertrauen in deinen Glauben wachsen darf. Mal werden sie länger, mal kürzer.
Aber hoffentlich immer so, dass du das Gefühl hast, dein Leben wäre mit ihnen ein bisschen bereichert worden.